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Nachtrag 2012 - Publikationsliste ab 1960


Nachtrag 2OO7

Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Die zweijährlich stattfindende Tagung der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE) wurde dieses Jahr gemeinsam mit der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft (ÖEG) und der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft (SEG) in Innsbruck (Tirol) vom 26.Februar bis 1.März 2007 abgehalten. Die „Haller Stadtpfeifer“ umgaben die Veranstaltung mit einem eindrucksvollen musikalischen Rahmen, und mehr als 3OO Entomologen aus elf Ländern (Dänemark, Deutschland, England, Iran, Italien, Norwegen, Österreich, Schweiz, Singapur, Spanien und USA) nahmen an dieser unvergesslichen Zusammenkunft teil. In freundlicher und entspannter Atmosphäre wurden rund 16O interessante Vorträge und 7O Poster aus nahezu allen Gebieten der allgemeinen und angewandten Entomologie gehalten, vorgestellt und diskutiert.

Bei der feierlichen Eröffnung am 26.Februar 2OO7 in der Aula Maxima der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck überreichte der Präsident der DGaaE, Herr Prof.Dr.GERALD MORITZ im Beisein des stellvertretenden Vorsitzenden der DGaaE, Herrn Dr.ALFRED ELBERT, die ESCHERICH-MEDAILLE beziehungsweise die FABRICIUS-MEDAILLE mit den entsprechenden Verleihungsurkunden an ausgewählte und hochverdiente Wissenschaftler auf den Gebieten der grundlegenden und praxisbezogenen Entomologie. Die FABRICIUS-MEDAILLE erhielt Frau Dr.URSULA GÖLLNER-SCHEIDING (vom Museum für Naturkunde, Berlin) und die diesbezügliche Laudatio hielt Herr Dr.ERNST HEISS (Wien).

Herr Prof. Dr. GERALD MORITZ, Präsident der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE) verleiht die KARL- ESCHERICH-MEDAILLE an Prof. Dr. HERMANN LEVINSON und Dr. ANNA LEVINSON am 26. Februar 2007 in Innsbruck



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Verleihung der KARL-ESCHERICH-MEDAILLE

Die KARL-ESCHERICH-MEDAILLE wurde sowohl an Frau Dr.ANNA LEVINSON als auch an Herrn Prof.Dr.HERMANN LEVINSON (beide seit 1971 am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie und seit 2OO4 am Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen bzw. Erling, Oberbayern, tätig) am 26.Februar 2OO7 in der Aula Maxima der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck verliehen. Die Laudatio für die beiden Wissenschaftler hielt Herr Dr.ALFRED ELBERT (von Bayer CropScience, Monheim). Prof.Dr.HERMANN LEVINSON und Dr.ANNA LEVINSON erhielten diese hohe Auszeichnung für ihre herausragenden Verdienste um die Sinnesphysiologie und Ernährungsphysiologie von Arthropoden, insbesondere für die Erforschung der essentiellen Nahrungsbestandteile von Schadinsekten und Schadmilben, die Aufklärung der Struktur und Wirkungsweise von Kairomonen, Sexualpheromonen und Aggregationspheromonen als Grundlage für die Entwicklung umweltfreundlicher Verfahren zu Monitoring und Massenfang vorratsschädlicher Insekten und Milben.

Vorder - und Rückseite der KARL-ESCHERICH-MEDAILLE, die der Präsident der DGaaE am 26. Februar 2007 in Innsbruck an HERMANN LEVINSON und ANNA LEVINSON für Ihre besonderen Verdienste um die allgemeine und angewandte Entomologie verliehen hat.



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Über Leben und Schaffen von Geheimrat Prof. Dr. Dr. Karl Leopold Escherich

Geheimrat Prof.Dr.Dr.KARL LEOPOLD ESCHERICH war ein vorbildlicher Entomologe und Forstwissenschaftler, der am 18. September 1871 in Schwandorf (Oberpfalz) geboren wurde. Er studierte zunächst Medizin in München und Würzburg und promovierte 1893 zum Dr.med. über die männlichen Genitalsysteme der Coleoptera. Nach einem anschliessenden Studium der Zoologie promovierte er 1896 zum Dr.phil. und spezialisierte sich während seiner zweijährigen Assistenzzeit in Karlsruhe bei Prof.Dr.OTTO NÜSSLIN in Forstzoologie. Er entdeckte neue Arten der Silberfischchen (Lepismatidae), fand Hefepilze (Blastomycetae), die den Verdauungstrakt der Pochkäfer (Anobiidae) besiedeln und verfasste auch zahlreiche Arbeiten über Ameisen, Termiten und myrmekophile Käferarten. Im Jahre 19O7 erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Forstzoologie in Tharandt (Sachsen) und wechselte 1914 auf den Lehrstuhl für angewandte Zoologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er die Nachfolge von Prof.Dr.AUGUST PAULY antrat und sich ausserdem von 1933 bis 1936 als Rektor der Universität betätigte.

Nach einem besonders inspirierenden Besuch im Jahre 1911 bei Dr.L.O.HOWARD, dem Begründer der angewandten Entomologie in USA, fasste er den Plan, die angewandte Entomologie in Deutschland nach amerikanischen Vorbild zu gestalten und veröffentlichte in diesem Zusammenhang 1913 das aufsehenerregende Buch „Die angewandte Entomologie in den Vereinigten Staaten“. Im gleichen Jahr wirkte er als Initiator und Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für angewandte Entomologie und rief 1914 die „Zeitschrift für angewandte Entomologie“ und 1925 den „Anzeiger für Schädlingskunde“ ins Leben. Die letzte Hauptaufgabe, die ihn bis zu seinem Lebensende beschäftigte, war das fünfbändige Lehr-und Handbuch „Die Forstinsekten Mitteleuropas“, wovon der erste, allgemeine Band 1912 und die drei folgenden, speziellen Bände 1923, 1931 und 1942 erschienen. Der fünfte Band blieb leider unvollendet. Mit diesem Werk hat sich KARL LEOPOLD ESCHERICH ein unvergängliches Denkmal geschaffen, das weit über die Grenzen Mitteleuropas als Standardwerk der neuzeitlichen Forstentomologie gilt.

KARL LEOPOLD ESCHERICH forderte eine grundlegende Neuordnung des Entomologie-Unterrichts, der eher Zusammenhänge als Faktenwissen vermitteln sollte. Er schlug auch vor, Lehrstühle für angewandte Zoologie an allen landwirtschaftlichen Hochschulen Deutschlands zu errichten. Für seine hervorragenden Forschungsleistungen und Errungenschaften wurde er mit der GOETHE-MEDAILLE für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.
KARL LEOPOLD ESCHERICH starb am 22. November 1951 in Kreuth (Oberbayern).

Zur Erinnerung an ihren unvergesslichen Gründer verleiht die Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE) seit 1954 die KARL-ESCHERICH-MEDAILLE für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der praxisbezogenen Entomologie. Die DGaaE ist 1976 aus den beiden traditionsreichen Vereinen, die Deutsche Entomologische Gesellschaft (DEG) und die Deutsche Gesellschaft für angewandte Entomologie (DGaE) hervorgegangen.



Weiterführende Literatur

ESCHERICH,K.L.(1949)
Leben und Forschen, Kampf um eine Wissenschaft.
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.

SCHWENKE,W. (1972)
Karl Leopold Escherich 1871-1951, Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages.
Zeitschrift für angewandte Entomologie 70, 251-260.

Urkunde der DGaaE vom 26.02.07, die die Verleihung der KARL-ESCHERICH-MEDAILLE an HERMANN LEVINSON und ANNA LEVINSON bestätigt.



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Über die Laureaten

Im Folgenden ist die Laudatio des Vizepräsidenten der DGaaE, Herrn Dr. ALFRED ELBERT, bei der Verleihung der KARL-ESCHERICH-MEDAILLE an Dr.ANNA LEVINSON und Prof.Dr.HERMANN LEVINSON mit einigen biographischen Ergänzungen wiedergegeben.

... gemeinsam mit Herrn Prof.Dr.Wittko Francke (Universität Hamburg) ist Ihnen die schwierige Strukturaufklärung der Speicherform des Sexualpheromons Anhydroserricornin des weiblichen Tabakkäfers Lasioderma serricorne gelungen. Sie haben die Pheromondrüse dieses bedeutsamen Vorratsschädlings beschrieben und die physiologische Aktivität der Enantiomere (optisch aktive Isomere) des Sexualpheromons Serricornin ermittelt. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickelten Sie gemeinsam mit British-American Tobacco Plc eine Lockstoff-Falle, die von Ihnen in Tabaklagern und Tabak-verarbeitenden Betrieben in Ägypten, Deutschland, Griechenland und Zypern getestet wurde. Ergebnis ist das Produkt Lasiotrap, das kommerziell zu Monitoring und Massenfang von Tabakkäfern eingesetzt wurde und wird.

Mit diesem Beispiel möchte ich einen wesentlichen Ansatz Ihres wissenschaftlichen Denkens und Forschens beschreiben : Aufbau und Nutzung interdisziplinärer Kooperation - in der Grundlagenforschung auf der einen und - der angewandten Forschung auf der anderen Seite. Auf diese Weise gelang es Ihnen, die eigenen Ergebnisse der Verhaltensbiologie und Elektrophysiologie in praktische Systeme zur Befallsminderung von schädlichen Insektenpopulationen umzusetzen.

Nun einige Informationen zu Lebenslauf und Werdegang unserer Medaillenträger: Hermann Levinson wurde 1924 in Klingenthal (Sachsen) geboren. Als Schüler sammelten Sie bereits Schmetterlinge an den Hängen des Erzgebirges und hatten schon damals mehr im Kopf als nur eine Faltersammlung aufzubauen. Ihr Ziel war es, gemeinsam mit Ihrem Schulkameraden Alfred Friedel die Lepidopterenfauna von Klingenthal und Umgebung zu erstellen. Leider liessen die damaligen politischen Verhältnisse die Vollendung dieses Vorhabens nicht zu. Ihre Familie musste 1935 ihre deutsche Heimat überstürzt verlassen und Sie waren gezwungen, Ihr Abitur in Prag abzulegen und anschliessend unter unbeschreibbaren Verhältnissen nach Palästina auszuwandern. Dort wurden Sie sogleich von den Britischen Behörden als „enemy alien“ eingestuft, für ein Jahr in dem Lager Athlit interniert und waren ab September 1941 in einem obergaliläischen Malariaforschungs-Institut (Direktor Prof.Dr.GERONIMO MER) tätig. Dort konnten Sie über Entwicklung und Einsatz biologischer, chemischer und physikalischer Methoden zur Stechmücken-Bekämpfung arbeiten. Schon hier zeigte sich Ihr übergreifender Ansatz von der Grundlagenforschung bis zu deren praktischem Einsatz. Sie nahmen das Studium der Chemie, Mikrobiologie und Zoologie an der Universität Jerusalem auf und promovierten 1959 mit der Auszeichnung summa cum laude bei den Professoren Drs. ERNST BERGMANN und GOTTFRIED FRAENKEL über Ernährungs-und Stoffwechselphysiologie der Stubenfliege Musca domestica. Sodann forschten Sie gemeinsam mit Prof.Dr.VINCENT BRIAN WIGGLESWORTH in Cambridge über die Wirkungsweise von Sterinen bei holometabolen Insektenlarven, von 1962 bis 1970 lehrten Sie an der Universität Jerusalem, wurden 1967 zum Professor für vergleichende Biochemie und Physiologie der Insekten berufen und danach waren Sie als Gastprofessor am Zoologischen Institut der Universität Frankfurt/Main tätig.

Die weitere berufliche Karriere des Hermann Levinson wird von nun an ganz wesentlich durch eine Frau mitbestimmt und gestaltet. Anna Levinson (geb. Bar-Ilan) wurde 1939 in Tel-Aviv geboren. Nach dem Abitur studierten Sie an der Universität Jerusalem Zoologie, Parasitologie und Chemie und untersuchten im Rahmen ihrer M.Sc.-Arbeit die Gesangsmuster und entsprechenden Verhaltensreaktionen der Wanderheuschrecken Locusta migratoria und Schistocerca gregaria (Acrididae). Im Jahre 1971 promovierten Sie bei den Professoren Drs. RACHEL GALUN und EZECHIEL RIVNAY über Lock-und Abwehrstoffe zur Eindämmung schädlicher Insektenpopulationen, einschliesslich Baumwolleulen (Spodoptera littoralis), Bettwanzen (Cimex lectularius) und Khaprakäfern (Trogoderma granarium). Das war bereits ein breites Spektrum der Entomologie, umfasste es doch Schädlinge an Kulturpflanzen, gelagerten Produkten und Ektoparasiten des Menschen.

Seit 1971 forschen Hermann und Anna Levinson gemeinsam am früheren Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie und seit 2004 am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen bzw. Erling. Bei der Würdigung Ihrer wissenschaftlichen Leistungen möchte ich mich auf die Bereiche Ernährungsphysiologie, Pheromonbiologie und Kulturzoologie (wie Sie dieses Gebiet selbst bezeichnen) konzentrieren. Ihre herausragenden Befunde darf ich im Folgenden kurz umreissen.

Ernährungsphysiologie. Nachweis des unverzichtbaren Bakterienbedarfs für das Larvenwachstum der Stubenfliege. Entdeckung der essentiellen B-Vitamine und Sterine für die präimaginale Entwicklung der Mehlmilbe (Acarus siro), des Speckkäfers (Dermestes maculatus), der Stubenfliege (Musca domestica) sowie des unerlässlichen Bedarfs an ungesättigten Fettsäuren und L-Ascorbinsäure für das Larvenwachstum der Baumwolleule (Spodoptera littoralis). Nachweis der Umsetzung langkettiger Sterine mittels Seitenkettenverkürzung im larvalen Fettgewebe von phytophagen Insektenarten.

Pheromonbiologie. Feinbau und Wirkungsweise der Pheromondrüsen bei schädlichen Käfer- und Fliegenarten, wie Lasioderma serricorne, Trogoderma granarium und Ceratitis capitata. Bedeutung der strukturellen und der chiralen Isomerie für die Pheromonwirkung bei Lasioderma serricorne, Sitophilus granarius, Tribolium castaneum, Tribolium confusum und mehreren Arten des Genus Trogoderma, ermittelt mit verhaltensbiologischen und elektrophysiologischen Methoden.

Ich komme nun auf den Punkt, der für Professor ESCHERICH und die heutige Ehrung besonders relevant ist. Sie haben industriell herstellbare Lockstoff-Fallen unter Einsatz von Sexual- und Aggregationspheromonen entwickelt. Diese dienen dem Monitoring und dem Massenfang von schädlichen Khaparakäfern, Tabakkäfern, Dörrobstmotten, Mehlmotten, Tabakmotten und anderen Speichermotten, die gegenwärtig unter den Namen Lasiotrap, Trogotrap, Mottenindikator u.a.m. im Handel beziehbar sind.

Kulturzoologie. Seit 1982 widmen sich Hermann und Anna Levinson den bislang wenig erforschten, kulturhistorischen Aspekten der Insekten und anderen Arthropoden. Ihrer Publikation in der Zeitschrift für angewandte Entomologie zu Hungersnöten und Vorratslagerung im alten Ägypten folgten rund zwei Dutzend weitere Veröffentlichungen über diese hochinteressante Thematik in den Bereichen Nahrungsmittelspeicherung und Schädlingsabwehr in Ägypten zu pharaonischer Zeit, also etwa 3100 - 30 vor Christus. Die religiöse Verehrung von Gliederfüssern, wie verschiedene Arten der Apidae, Belostomatidae, Nepidae, Elateridae, Scarabaeidae, Tenebrionidae und Chilopoda im prähistorischen und dynastischen Ägypten, wurde erstmals beleuchtet und die kulturgeschichtliche Bedeutung von giftigen Skorpionen (vorwiegend Buthidae) im antiken Ägypten, Assyrien, Babylonien und Palästina eingehend untersucht.

Die Gesamtzahl Ihrer Veröffentlichungen und Buchbeiträge habe ich nicht gezählt, es sind weit über hundert und es kommen immer noch neue hinzu. Stellvertretend für Ihre vielfältige internationale Kooperation seien genannt: FRANCKE in Hamburg, REICHMUTH in Berlin, HOPPE in Zürich, BURKHOLDER in Wisconsin, BUCHELOS in Athen, FAKAHANY in Kairo, BUGHDAD in Rabat, CHUMAN in Yokohama, MORI in Tokio, SILVERSTEIN in New York, REN in Tiantsin und KANAUJIA in Pantnagar.

Hermann Levinson wurde international mit dem Sir Simon Marks Award 1960, der Medaille des Korea Institute of Science 1980, dem Sigillo d´Oro di Piacenza 1992, das Ehepaar Levinson als Leading Scientists of the World von dem International Biographical Centre, Cambridge 2006 – und in wenigen Minuten mit der KARL-ESCHERICH-MEDAILLE geehrt. Wie Sie sehen, meine Damen und Herren, werden die Abstände zwischen den Ehrungen zunehmend kürzer.

Nun möchte ich noch einige persönliche Worte von einem lieben Kollegen einfügen, der Sie viel besser kennt als ich, nämlich Herrn Professor Dr. WITTKO FRANCKE aus Hamburg : „Was ich an beiden Levinsons so schätze, ist ihre absolut zuverlässige und exakte Durchleuchtung eines Problems und das daraus logisch abgeleitete Vorgehen bei den erforderlichen Experimenten. Ich habe des öfteren erlebt, wie beide, von unterschiedlichen wissenschaftlichen Standpunkten ausgehend, im iterativen Diskurs gemeinsames Vorgehen festlegten. Bei dieser wunderbaren Symbiose war er meist eher der Denker, aber sie stets die Macherin. Die absolute Unvoreingenommenheit (trotz profunder Literaturkenntnis) gegenüber neuen Themen ("das wollen wir dann 'mal selber sehen") führte mehrfach dazu, dass Ergebnisse anderer Arbeitsgruppen modifiziert oder korrigiert wurden. Ich war immer beeindruckt von der Vielzahl der Leute, die die beiden in aller Welt kannten und von den besonders guten Beziehungen, die sie zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen entwickelt hatten. Besonders wichtig war ihnen stets der Methoden- und know-how-Transfer zu jüngeren Wissenschaftlern...“ Soweit Professor Francke, der vor fast 30 Jahren den Kontakt zwischen Ihnen und mir herstellte.

Das erste Mal habe ich Sie während meiner Promotion 1978 in Seewiesen besucht. Unsere damalige Zusammenarbeit war für meinen Werdegang eine ganz bedeutende. Sie beide waren damals mein eigentlicher Doktorvater, der die Anregungen für die entscheidenden Versuche zum erfolgreichen Abschluss meiner Arbeiten gegeben hat. Woran lag das ? Weil Sie damals wie heute neugierig sind, weil Sie nicht nur das wissenschaftliche Anliegen, sondern auch der Ihnen gegenüber stehende Mensch interessiert. Mit einem Dreizeiler, verfasst von Johann Wolfgang von GOETHE, möchte ich meine Laudatio schliessen. Anna und Hermann Levinson haben ihn mir zum Jahreswechsel 2003/2004 gesendet:

„Der Mensch muss bei dem Glauben verharren,
dass das Unbegreifliche begreiflich sei,
er würde sonst nicht forschen“


(von GOETHE, Maximen und Reflexionen 563)

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Dankesworte nach Erhalt der Escherich-Medaille von Hermann Levinson und Anna Levinson

Sehr geehrter Herr Präsident,
Sehr geehrte Herren des Kuratoriums,
Sehr geehrter Herr Laudator,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Der Beschluss der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie, uns beiden die KARL-ESCHERICH-MEDAILLE zu verleihen, hat uns besonders freudig bewegt, zumal diese grosse Auszeichnung überraschend und unerwartet kam. Für die hohe Ehrung möchten wir Ihnen Allen unseren tief empfundenen Dank und Verbundenheit mit der DGaaE aussprechen.

Während einer etwa vierzig Jahre umspannenden wissenschaftlichen Tätigkeit wurden wir stets von einem gütigen Gott geleitet und inspiriert, was wir ebenfalls dankbar anerkennen. Sämtliche, im Laboratorium, Freiland, Museum oder in der Bibliothek ausgeführten, Forschungsarbeiten haben uns grosse Freude und Genugtuung bereitet. Unser Gesamtwerk auf dem Gebiet der grundlegenden und angewandten Entomologie war so angelegt, dass daraus eine gelungene Synthese von neuen theoretischen Erkenntnissen und praktisch verwertbaren Ergebnissen resultierte. Unsere wissenschaftliche Tätigkeit bezog sich hauptsächlich auf drei Forschungsgebiete, nämlich

  1. Ernährungs-und Sinnesphysiologie schädlicher Insekten-und Milbenarten,
  2. Innovative Verfahren zur Manipulation schädlicher Insekten- und Milbenpopulationen, wie beispielsweise Insektistasis und Akaristasis,
  3. Kulturelle Bedeutung ausgewählter Arten der Gliederfüsser (Arthropoda) für die Menschen des orientalischen und klassischen Altertums. Dieses verhältnismässig neue Forschungsgebiet ist als Kulturzoologie zu bezeichnen.
Kollegen die an einzelnen Ergebnissen der genannten Forschungsgebiete interessiert sind, dürfen wir auf unsere Publikationsliste verweisen.

Auf dem Gebiet der Sinnesphysiologie, Pheromonbiologie und Schädlingsmanipulation von Insekten- und Milbenarten bestand eine äusserst fruchtbare Zusammenarbeit mit mehreren Fachkollegen, wovon wir besonders die Mitarbeit der angesehenen Chemiker Wittko Francke (Universität Hamburg), Kenji Mori (University of Tokyo), Robert Silverstein, (Syracuse University, New York) und Tatsuji Chuman (Japan Tobacco and Salt Co., Yokohama) sowie die Mitarbeit der namhaften Biologen Christoph Reichmuth (Institut für Vorratsschutz, BBA, Berlin), Constantin Buchelos (Agricultural University, Athen), Wendell Burkholder (University of Wisconsin), Kashi Ram Kanaujia (Agricultural University, Pantnagar), und Zili Ren (Nankai University, Tiantsin) dankend anerkennen wollen.

Die Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie hat uns seit 1976 häufig nutzbringende Fachhilfe geleistet, die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften hat jahrzehntelang speziell eingerichtete Laboratorien und Bibliotheken zu unserer Verfügung gestellt sowie kostspielige Studienreisen in nahe und ferne Länder ermöglicht, die Zoologische Staatssammlung München hat uns stets mit Rat und Tat unterstützt und letztlich haben mehrere orientalistische Museen und Institute in Ägypten, Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Italien, Marokko und Österreich ihre kostbaren Fundobjekte und Dokumente in grosszügiger Weise zu unserer Verfügung gestellt. Ihnen Allen möchten wir heute aufs herzlichste danken.

„Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen
als dass sich Gott-Natur ihm offenbare ?
wie sie das Feste lässt zu Geist verrinnen,
wie sie das Geisterzeugte fest bewahre...“

(J.W. von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre III, 521)

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Kontakt: levinson@orn.mpg.de | Impressum

 

 

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